Männerfreundschaft mit Schlagseite

Das Moskauer Treffen zwischen Schröder und Putin rückt vor allem fehlende Diplomatie zur Konfliktlösung in der Ukraine in den Blickpunkt. Ein Kommentar

Der Kreml in Moskau. Vom Treffen zwischen Putin und Schröder am Freitagabend gibt es keine Fotos. © Pixabay

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Am Freitagabend hat der russische Präsident Wladimir Putin den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder in Moskau getroffen. Herausgekommen ist dabei, insbesondere für eine Beendigung des Krieges in der Ukraine: nichts. Trotzdem war die Empörung groß. Darüber, dass ein westlicher (Ex-)Politiker, zumal ein deutscher, sich mit dem geächteten Kreml-Chef an einen Tisch setzte.

Dabei war die Inszenierung sorgfältig vorbereitet: Schon vor einigen Tagen wurde Schröders Anwesenheit in Moskau offensichtlich geplant durchgestochen. Und auch der Termin passte: Nach dem von ukrainischen Drohnen-Angriffen und den ultimativen Forderungen aus Kiew zu einem Kriegsende überschattenden Wirtschaftsgipfel in St. Petersburg brauchte Putin eine Erfolgsmeldung. Die Begegnung mit Schröder war in seinen Augen eine solche.

Die Aufregung im Westen nach dem Treffen ist jedoch überzogen. Der deutsche Ex-Kanzler fällt in der Öffentlichkeit höchstens noch mit Diäten oder Streitereien um seine Ehefrau auf. Politisch spielt Schröder schon lange keine Rolle mehr. Anders sieht es bei Putin aus. Nachdem seine Bindung mit Ungarns abgewählten Premier Orbán und damit sein Brückenkopf in der EU weggebrochen ist, muss der russische Staatschef seine Kontakte neu sortieren und alte wieder neu beleben.

Dass sich Schröder damit zum „nützlichen Idioten“ Putins macht, mag man kritisieren. Die Frage aber bleibt, ob es nicht doch sinnvoll wäre, einen Draht nach Moskau zu behalten. Die EU hat schon seit Jahren – übrigens lange vor dem russischen Überfall auf die Ukraine – die Kontakte in den Kreml weitgehend auf Eis gelegt. Ein Ende des Dialogs und der Diplomatie jedoch hat noch nie Konflikte gelöst. Ob es dafür allerdings einen Gerhard Schröder braucht, steht auf einem anderen Blatt.

Der Kommentar ist parallel erschienen auf https://www.nd-aktuell.de/

Ein Artikel von Uwe Sattler

Uwe Sattler

Uwe Sattler ist Herausgeber von „die-zukunft.eu“ und inhaltlich für die Plattform verantwortlich. Nach zwölf Jahren in der Redaktionsleitung der Tageszeitung „nd.DerTag"/"nd.DieWoche" ist der Journalist Mitglied des Vorstands der nd.Genossenschaft eG.

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