europaLINKS: Trickserei mit dem Mindestlohn

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Mit absurden Berechnungsmethoden werden in Luxemburg Erhöhungen des Mindestlohns verhindert. Das verlangt Widerstand, meint die linke „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“

Reich sind im »reichen« Luxemburg nicht alle. Der dortige Mindestlohn ist zwar der mit Abstand höchste in der EU, aber gemessen an den Lebenshaltungskosten reicht er laut den Kriterien der europäischen Richtlinie nicht für ein menschenwürdiges Leben. © Pixabay

Die linke Medienlandschaft in Europa ist nicht groß, aber es gibt sie. Manche Zeitungen erscheinen in gedruckter Form täglich, einige wöchentlich, andere monatlich. Online sind sie alle präsent – und nehmen, ob nun als Print- oder Digitalprodukt, Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs in ihren jeweiligen Ländern.

An dieser Stelle blicken wir in progresssive Medien Europas. Heute: „Warum ein neuer 28. Juni nötig ist“ Dieser Text ist am 4. April in der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« (Luxemburg) erschienen.  Der Beitrag wurde nachbearbeitet und gekürzt.

Ali Ruckert

Anders als von politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Schaffenden gefordert, hat die Regierung entschieden, dass es keine strukturelle Erhöhung des Mindestlohnes geben soll.

Beschränken will man sich darauf, den Mindestlohn mit der nächsten Indextranche (automatische Anpassung der Löhne an die Inflation – d. R.) um 2,5 Prozent an die Preisentwicklung und zum 1. Januar 2027 an die durchschnittliche Lohnentwicklung der vorangegangenen zwei Jahre zu adaptieren. Womit er laut Regierung mehr als 60 Prozent des Medianlohns betragen wird und es keiner strukturellen Erhöhung bedürfe.

Das sowie die Auseinandersetzung darüber, ob der Mindestlohn nun an den Medianlohn oder an den Durchschnittslohn angepasst werden soll, ist eine Irreführung der Lohnabhängigen.

In Wirklichkeit muss es doch, aus der Optik der Schaffenden betrachtet, darum gehen, eine möglichst deutliche Erhöhung des Mindestlohns (und der anderen Löhne) durchzusetzen, um zu erreichen, dass die Ausbeutung abnimmt.

Der Mindestlohn ist der vom Gesetzgeber festgelegte Mindestpreis für die Ware Arbeitskraft, die der Lohnabhängige an den Patron verkauft. Das hat nichts mit einem »gerechten« Lohn zu tun, denn der Bezieher des Mindestlohns wird, wie alle anderen Lohnabhängigen auch, ausgebeutet, da er mehr Wert schafft, als er kostet, und dieser Mehrwert dann zum großen Teil vom Patron in Form von Profit in die eigene Tasche gesteckt wird. So funktioniert der ganz gewöhnliche Kapitalismus.

Wenn EU-Institutionen, die im Interesse des Finanzkapitals und der Konzerne geschaffen wurden und bis heute als solche funktionieren, im Zusammenhang mit dem Mindestlohn von Referenzwerten von 60 Prozent des Medianlohns oder 50 Prozent des Durchschnittslohns sprechen, tun sie das nicht, um eine »gerechte« Entlohnung sicherzustellen, sondern um die Verhältnisse zu stabilisieren und zu verhindern, dass die Schaffenden sich grundsätzliche Fragen über die bestehende Ausbeuterordnung stellen.

In welchem Maße der gesetzliche Mindestlohn erhöht wird und es gelingt, die Ausbeutung auf gesetzlichem Weg etwas einzuschränken, ist eine Frage des Kräfteverhältnisses zwischen jenen, die das Kapital unterstützen, und denen, die auf der Seite der Schaffenden stehen. Und das hängt davon ab, wie konsequent die Schaffenden ihre eigenen Interessen verteidigen – statt sich auf die Ideologie des »Wir sitzen alle in einem Boot« einzulassen, die in Form der »Sozialpartnerschaft« vom Kapital und seinen politischen Wasserträgern erfunden wurde und genutzt wird, um den Anteil der Lohnabhängigen am geschaffenen Mehrwert möglichst klein zu halten, wie das gegenwärtig die Regierung der CSV/DP (Christdemokraten und Liberale – d. R.) tut.

Die Frage, ob die Regierung es tatsächlich auf einen neuen 28. Juni (massive Gewerkschaftsproteste am 28. Juni 2025 – d. R.) ankommen lassen will, ist eigentlich nicht relevant. Viel hängt hingegen davon ab, wie die Schaffenden weit über die bestehenden Gewerkschaftsstrukturen hinaus überzeugt werden können, dass ein neuer 28. Juni und zehntausende Manifestanten nötig sind, um eine strukturelle Erhöhung des Mindestlohns, konkrete Maßnahmen gegen die Armut und den Kaufkraftverlust durchzusetzen und zu verhindern, dass Regierung und Patronat demnächst wieder eine Indexmanipulation durchboxen.

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