europaLINKS: Kampfjets statt Klimaschutz
Während in Großbritannien reichlich Geld für das Militär da ist, fehlt es beim Klimaschutz. Dabei hat die Hitzewelle die Prioritäten gezeigt, meint der linke »Morning Star« aus London

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Die linke Medienlandschaft in Europa ist nicht groß, aber es gibt sie. Manche Zeitungen erscheinen in gedruckter Form täglich, einige wöchentlich, andere monatlich. Online sind sie alle präsent – und nehmen, ob nun als Print- oder Digitalprodukt, Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs in ihren jeweiligen Ländern.
An dieser Stelle blicken wir in progresssive Medien Europas. Heute: „Militarisierung oder Klimakrise?“. Dieser Text ist am 26. Juni in „Morning Star“ (Großbritannien) erschienen. Der Beitrag wurde nachbearbeitet und gekürzt.
Wenn es um die Prioritäten bei den Staatsausgaben geht, hören wir ständig, dass wir »realistisch« sein müssten. So sei die Erhöhung der Militärausgaben unerlässlich. Die Bekämpfung der globalen Erwärmung dagegen wird als »Nice to have« abgetan.
Die dramatische Hitzewelle, die den größten Teil Großbritanniens in der letzten Woche erfasst hat – bereits die zweite in diesem Jahr – und das Erreichen von immer neuen Höchsttemperaturen schon im Juni zeigen, wie absurd diese Erzählung ist.
Unsere Häuser sind für die Hitze nicht gebaut. Unsere Schulen sind es nicht. Unsere Gesundheits-Infrastruktur ist darauf nicht vorbereitet. Auch nicht unsere Verkehrsinfrastruktur.
Hitzewellen führen zu Todesfällen. Schulen schließen, Züge werden gestrichen. Die wirtschaftliche Störung ist erheblich. Und die Auswirkungen des Klimachaos sind verheerend: Drei der fünf schlechtesten britischen Ernten seit Beginn der Aufzeichnungen (im Jahr 1984) fielen in die letzten fünf Jahre. Ein unvorhersehbares Klima bedeutet, dass sowohl Überschwemmungen als auch Dürren die Ernte ruinieren.
Dies ist nicht nur ein britisches Phänomen: Ernteausfälle werden mit immer größerer Häufigkeit aus der ganzen Welt gemeldet. Die Lebensmittelpreise sind in der Folge in die Höhe geschossen. Verstärkt durch das Handeln von einigen wenigen gigantischen Unternehmen, die das Monopol auf Saatgut und Pestizide haben.
Natürlich ist der Klimawandel nicht der einzige Grund für Ernährungsunsicherheit oder höhere Preise: Rücksichtslose Kriege wie Donald Trumps Angriff auf den Iran beeinflussen diese Entwicklung ebenso. So blockiert die Schließung der Straße von Hormus auch den internationalen Handel mit Düngemitteln – ebenso wie jenen mit Erdöl und -gas.
Auch Großbritannien hat eine Mitschuld. Trotz anderslautender Aussagen wird das britische Militär nicht in erster Linie eingesetzt, um unsere Küsten zu verteidigen, sondern in Aggressionen weltweit eingesetzt – am offensichtlichsten im Nahen Osten, wo RAF-Überwachungsflüge (Royal Air Force – d.R.) mit der völkermörderischen israelischen Invasion in Gaza koordiniert wurden und unsere Stützpunkte, Schiffe und Flugzeuge eine unterstützende Rolle im US-israelischen Krieg gegen den Iran spielten. Großbritanniens militärische Aktivitäten bringen uns in größere Gefahr – da sie in Übereinstimmung mit Trumps Politik stehen, eine ungerechte wirtschaftliche Weltordnung aufrechtzuerhalten, die sich vom Aufstieg des globalen Südens bedroht sieht. Eine weitaus bessere »Investition« wäre es, Geld und Engagement in die Anpassung dieses Landes an einen heißeren Planeten und in Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels zu lenken.
Aber mächtige Eigeninteressen sind dagegen. Beispielsweise hat Tony Blair (Labour-Politiker und früherer Premier – d.R.), der kürzlich die Regierung für ihr Moratorium für neue Nordseebohrungen angegriffen hat, als Kunden seines Beratungsunternehmens dieselben US-Unternehmen, die energie- und wasserintensive Rechenzentren auf britischem Boden bauen wollen. Denn die Trump-Regierung verbindet die »KI-Revolution« mit der Intensivierung der Ausbeutung fossiler Brennstoffe.
Ja, das Verbot neuer Ölbohrungen in der Nordsee kostet Arbeitsplätze. Das ist ein Verschulden der Regierung, die versäumt hat, eine Übergangsstrategie zu entwickeln. Eine koordinierte Strategie zur Bewältigung der Klimakrise würde die Schaffung von Arbeitsplätzen in großem Umfang beinhalten. Ebenso wie Programme zur Nachrüstung des Schul- und Krankenhausgebäuden und zur Modernisierung von Wohnhäusern, Investitionen in die Widerstandsfähigkeit des Verkehrs und effiziente Notdienste.
Und nicht zuletzt: Wer sich weigert, in diesem Sinne die Initiative zu ergreifen, überlässt das Feld der klimaleugnerischen extremen Rechten.
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