europaLINKS: Frisierte Wahrheiten zum Ukraine-Krieg
In den Berichten zum Jahrestag des Kriegsbeginns in der Ukraine wird einiges weggelassen, meint die Luxemburger „Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek“

Die linke Medienlandschaft in Europa ist nicht groß, aber es gibt sie. Manche Zeitungen erscheinen in gedruckter Form täglich, einige wöchentlich, andere monatlich. Online sind sie alle präsent – und nehmen, ob nun als Print- oder Digitalprodukt, Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs in ihren jeweiligen Ländern.
An dieser Stelle blicken wir in progresssive Medien Europas. Heute: „Einsparungen, doch zu wessen Lasten?“ Dieser Text ist am 24. Februar in der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« (Luxemburg) erschienen. Der Beitrag wurde nachbearbeitet und gekürzt.
Uli Brockmeyer
Und wieder wird ein „Jahrestag“ genutzt, um historische Wahrheiten so zurechtzubiegen, wie sie für die Erhöhung der „Kriegstüchtigkeit“ von Nutzen erscheinen. Skrupellos vertrauen Journalisten in den selbsternannten „Leitmedien“, aber auch in weniger bedeutenden Publikationen, auf die Vergesslichkeit der Zuschauer und Leser.
Nun ist zum Beispiel im Luxemburger „Tageblatt“ die Rede vom Beginn der russischen „Großoffensive“ gegen die Ukraine, die vor vier Jahren begann. Um zu erklären, warum in diesem Zusammenhang nicht der standardmäßige Begriff „Putins Angriffskrieg“ in die Titelzeile gelangte, wird ganz nebenbei behauptet, die russische Offensive habe bereits 2014 begonnen. In diesem Sinne äußerte sich am Montag im Morgenmagazin des deutschen Staatssenders ARD auch der ukrainische Botschafter in Berlin. Das wurde seinerzeit von den Medien keinesfalls berichtet, weil es nicht stimmte. Warum ist also heute wahr, was damals nicht stattfand?
Der selbe Sender – wie die meisten größeren Medien – hatte allerdings vor zwölf Jahren weitgehend wahrheitsgemäß berichtet, dass ukrainische Verbände mit militärischem Terror gegen Städte und Dörfer im Donbass-Gebiet vorgegangen waren, deren Bewohner sich mehrheitlich dagegen zur Wehr setzten, dass nicht nur der Gebrauch ihrer russischen Muttersprache durch die neuen Machthaber in Kiew verboten worden war, sondern auch die ihnen bis dahin gewährten Rechte massiv beschnitten wurden, darunter das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren oder zum Beispiel der Kommunistischen Partei der Ukraine anzugehören.
Dieser Krieg gegen die eigene Bevölkerung kostete bis 2022 mindestens 10 000 Ukrainer im Donbass das Leben. Es folgten die „Minsker Verhandlungen“, bei denen die selbsternannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk nicht angehört wurden. Vereinbarte Waffenruhen wurden seitens ukrainischer Truppen immer wieder gebrochen, und zudem mit aktiver Hilfe westlicher Staaten zur Aufrüstung der ukrainischen Armee und diverser Milizen genutzt, deren Anführer für ihre nationalistische und faschistische Gesinnung bekannt sind.
Der 24. Februar 2022, an dem Russland die bedrängten Republiken an seiner südwestlichen Grenze militärisch zu unterstützen begann, heißt neuerdings Beginn der „Großoffensive“. Jener Krieg, das ist ebenfalls bekannt, hätte bereits vor vier Jahren nach wenigen Wochen beendet werden können, und zwar ohne Gesichts- und Gebietsverlust für die Ukraine – wäre nicht der damalige britische Premierminister nach Kiew geeilt, um den dortigen Machthabern den Wunsch der führenden Leute der USA und der NATO zu übermitteln, auf keinen Fall Frieden zu schließen. Zuvor war in Istanbul ein fast unterschriftsreifes Papier erarbeitet worden, mit dem beide Seiten hätten leben können.
Was danach kam, ist bekannt. Aus dem Westen flossen jede Menge Waffen und Geld in die Ukraine, wo ein großer Prozentsatz der „Hilfe“ regelmäßig in dunklen Kanälen verschwindet. Allein Deutschland hat das ukrainische Militär mit mindestens 50 Milliarden Euro unterstützt, wie am Montag gemeldet wurde. Auch Luxemburg ist eifrig mit von der Partie.
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