europaLINKS – der Jahresrückblick: USA & die Welt

Das Jahr 2025 in Europas progressiver Presse

© Pixabay

Die linke Medienlandschaft in Europa ist nicht groß, aber es gibt sie. Manche Zeitungen erscheinen in gedruckter Form täglich, einige wöchentlich, andere monatlich. Online sind sie alle präsent – und nehmen, ob nun als Print- oder Digitalprodukt, Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs in ihren jeweiligen Ländern.

So unterschiedlich diese Medien sind, so ähnlich sind die Fragen und Pro­bleme, mit denen sie sich beschäftigen – und der linke Ansatz, aus dem heraus diese analysiert werden. Ob nun Wohnungskrise, Sozialabbau oder Kinderarmut, ob Kriege in Nahost oder Ost­europa, ob der Aufschwung von Rechtsextremen und Autokraten, ob Arbeitskämpfe oder Ignoranz gegenüber dem Klimawandel, ob patriarchale Strukturen oder der Zustand der Linken in Europa: die-zukunft.eu und die Zeitung „nd“ lassen auch 2025 einige der wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen des Jahres Revue passieren – über Beiträge aus linken und linksorientierten Medien in Europa. Dabei war uns wichtig, nicht nur die gemeinsamen Positionen abzubilden, sondern auch einen Blick auf spezifische nationale Besonderheiten und Sichten zu werfen. Alle Beiträge wurden zur besseren Lesbarkeit nachbearbeitet und teilweise gekürzt.

Ein Friedenspreis für Trump – wofür?

Welchen Beitrag der US-Präsident zur Lösung internationaler Konflikte geleistet haben soll, bleibt dem britischen »Morning Star« schleierhaft. Ebenso das gesamte Prozedere um die Verleihung des Fifa-»Friedenspreises« an den US-Präsidenten, schrieb die Zeitung am 7. Dezember.

Linda Pentz Gunter

Bei der Verleihung des ersten Fifa-Friedenspreises an Donald J. Trump stellte Fifa-Präsident Gianni Infantino den US-Präsidenten als »einen politischen Führer vor, dem das Wohl der Menschen am Herzen liegt«. Ja, er sagte das tatsächlich. Die Preisverleihung fand am vergangenen Freitag im Kennedy Center in Washington D.C. statt, und zwar ohne großes Aufsehen. Trump hielt eine kurze und inhaltsleere Dankesrede. Der Preis wurde Trump für seine Vermittlungsbemühungen im Frieden zwischen Kongo und Ruanda, Indien und Pakistan, im Gazastreifen und anderswo sowie für seine Bemühungen zur Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine verliehen. Und natürlich dafür, dass er Kriege »gerade noch, bevor sie begannen«, beendet habe, wie Trump selbst sagte. Dies seien, so Infantino, »außergewöhnliche Taten im Dienste des Weltfriedens« gewesen.

»Friedensstifter« setzt auf Hass und Gewalt

»Den ersten Fifa-Friedenspreis an einen Mann zu verleihen, der so viel Hass und Gewalt geschürt hat, ist schlichtweg beschämend«, schrieb jemand in den sozialen Medien. »Einen Fifa-Friedenspreis für den Mann, der kurz davor steht, ein Land zu überfallen, und ohne Beweise Menschen in internationalen Gewässern tötet?«, fragte ein anderer und bezog sich dabei auf Trumps Drohungen, Venezuela anzugreifen und Präsident Nicolás Maduro zu stürzen. »Was kommt als Nächstes?«, spottete ein Dritter. »Den Preis des britischen Tennisverbands für Physik?«

In seiner kurzen Rede behauptete Trump, »Millionen von Leben gerettet« zu haben, schwadronierte über Ticketverkäufe, lobte Infantino und dankte seiner Frau. Zum Schluss prahlte er damit, dass es dem Land vor einem Jahr noch nicht so gut gegangen sei, jetzt aber seien die USA »das angesagteste Land der Welt«. Dabei vergaß er wohl, dass die USA die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gemeinsam mit Mexiko und Kanada ausrichten – Länder, denen Trump mit Invasion oder Annexion gedroht hat und deren Staatschefs ebenfalls bei der Auslosung anwesend waren.

Laut dem frischgekrönten Friedensstifter und seinem Kabinett sind diejenigen, die vor Krieg und Unterdrückung in die Vereinigten Staaten fliehen, »gefährliche Kriminelle, Mörder, Vergewaltiger und Geldwäscher«, die »unser Land derzeit mit schlechten Genen überschwemmen«. Somalier, die in den USA leben, seien »Abschaum«, und ihr Land »stinke«, ein Ort, an dem »sie sich gegenseitig umbringen«. In New Orleans müssten die Einwanderungsbehörden »gegen die gewalttätigen, kriminellen illegalen Einwanderer vorgehen, die ungehindert herumlaufen dürfen«. Bürger von Ländern, die »unser Land mit Mördern, Schmarotzern und Sozialschmarotzern überschwemmen«, dürften künftig nicht mehr in die USA reisen.

Was den Frieden angeht, dauern Morde, Krankheiten und Hungersnot in Gaza an. Vergewaltigungen und Morde haben in der Demokratischen Republik Kongo nicht aufgehört. Der russische Krieg in der Ukraine zieht sich unvermindert hin. Der indische Premierminister Narendra Modi wies Trumps Behauptung, er vermittle Frieden, entschieden zurück und sagte: »Kein Staatschef hat uns aufgefordert, die Operation zu stoppen.«

Der Gaza-»Friedensplan« ist nichts anderes als Trumps Gier nach Immobilien. Der Kongo-Ruanda-Friedensplan ist nichts anderes als Trumps Gier nach Bodenschätzen. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ist ein wahrer Geldsegen für Trumps Freunde in der US-amerikanischen Waffenindustrie, ebenso wie der Völkermord in Gaza.

Trump-Verehrer bei der Fifa

All das rechtfertigt nach Meinung der Fifa einen Friedenspreis? Nun, vielleicht nicht laut Fifa, denn obwohl ihr Name auf dem Preis prangt, scheint niemand wirklich zu wissen – oder es wird zumindest nicht preisgegeben –, wer bei der Fifa die Idee zu diesem Preis hatte, wer die Kandidaten waren, falls es überhaupt welche gab, und wer den Gewinner auswählte. Infantino bezeichnete die Auszeichnung als die »erste jährliche« Verleihung, daher ist mehr Transparenz im Auswahlverfahren längst überfällig.

Sicher ist nur, dass Infantino die ersten Fingerabdrücke auf der Trophäe hinterlassen hat, noch bevor er die Bühne des Kennedy Centers betrat, um sie Trump zu überreichen. Der Fifa-Präsident hofiert Trump seit dessen Wiederwahl im November 2023 und wiederholte diese Schmeichelei am Freitag, indem er ihm versprach: »Sie können immer auf meine Unterstützung und die der gesamten Fußballgemeinschaft zählen.« Der Fifa-Friedenspreis wurde Trump auch mit der Begründung verliehen, er habe sich »für die vereinigende Kraft des Fußballs eingesetzt«. Beweise dafür sind jedoch genauso schwer fassbar wie die Kriterien für die Vergabe des Preises selbst.

Ein Artikel von Uwe Sattler

Uwe Sattler

Uwe Sattler ist Herausgeber von „die-zukunft.eu“ und inhaltlich für die Plattform verantwortlich. Nach zwölf Jahren in der Redaktionsleitung der Tageszeitung „nd.DerTag"/"nd.DieWoche" ist der Journalist Mitglied des Vorstands der nd.Genossenschaft eG.

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