Der brave Sprössling Tusk

Nach den deutsch-polnischen Gesprächen wirft Ruta Dreyer einen Blick auf die bilateralen Beziehungen und die EU als Zweckgemeinschaft

© Pixabay

Bundeskanzler Friedrich Merz brachte seinem Gast, dem polnischen Amtskollegen Donald Tusk, am Montag einiges mit: 73 jahrhundertealte Urkunden, den steinernen Kopf einer christlichen Skulptur und heraufbeschworene Einigkeit. Denn Merz braucht Tusk, um die EU zu stabilisieren – und eine stabile EU, um den Launen der USA entgegentreten zu können.

Diskussionen um die Ukraine, Migration und Schulden: Zeitweise glich das europäische Projekt mehr einem Porzellanteller, dessen Rand aus angeklebten Scherben besteht, als einem stabilen Gefäß, das Druck von außen standhält. Vor allem für die wirtschaftlich stärksten Staaten, wie Frankreich und Deutschland, ist das ein Problem. Sie profitieren am meisten von der EU und tarnen es als »Völkerfreundschaft«, ihre Interessen durchzusetzen. Polen ist für Deutschland in dieser Situation einigermaßen zuverlässig. Ein braver Sprössling im staatlichen Kindergarten – anders als die herumtollenden Balgen Ungarn oder USA. Die Bedeutung Polens für Deutschland findet auf mehreren Ebenen statt: beim Schutz der EU-Außengrenze, der Unterstützung der Ukraine und als Handelspartner und Exportmarkt.

Bei der Sehnsucht nach europäischer Souveränität ist Herzschmerz einkalkuliert. Während vor allem Deutschland und Frankreich versuchen, eine harmonische Partnergemeinschaft EU nach außen zu inszenieren, sind es wirtschaftliche und geopolitische Notwendigkeiten, die die Zweckbeziehungen der Staaten am Leben halten.

Ein Artikel von Ruta Dreyer

Ruta Dreyer

Ruta Dreyer studiert Politikwissenschaften an der FU Berlin und verfasst journalistische Texte insbesondere zu Fragen der internationalen Politik. (Foto: F. Schirrmeister)

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